Manuelle Medizin / Therapie
Allgemeine Informationen
Manuelle Medizin und Manuelle Therapie sind Behandlungsmethoden, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates konzentrieren. Dazu gehören Gelenke, Muskeln und Nerven. Im Kern geht es darum, mit gezielten Handgriffen (manuellen Techniken) die Beweglichkeit von Gelenken wiederherzustellen, Verspannungen in der Muskulatur zu lösen und so Schmerzen zu lindern. Sie wird von speziell ausgebildeten Ärzten (Manuelle Medizin/Chirotherapie) oder Physiotherapeuten (Manuelle Therapie) durchgeführt und ist eine anerkannte, nicht-operative Methode zur Behandlung von Beschwerden wie Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Gelenkproblemen. Die Basis bildet eine gründliche Untersuchung der Körperhaltung und der Bewegungsabläufe.
Diese Form der Therapie betrachtet den Körper als eine Einheit, in der Störungen an einer Stelle Auswirkungen auf andere Bereiche haben können. Ziel ist es nicht nur, akute Beschwerden zu beheben, sondern auch die Ursachen der Funktionsstörung zu erkennen und zu behandeln, um langfristig Beschwerdefreiheit zu erreichen. Dabei kommen sanfte Techniken zur Mobilisation sowie, bei Bedarf und entsprechender Qualifikation des Behandlers, auch gezielte, schnelle Handgriffe zur Manipulation (‚Einrenken‘) zum Einsatz. Die Behandlung wird individuell an die Bedürfnisse und den Zustand des erwachsenen Patienten angepasst und häufig durch ergänzende Übungen unterstützt, die zu Hause durchgeführt werden sollen.
Häufige Anwendungsgebiete
Die Manuelle Therapie bietet eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Behebung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates:
Mobilisation: Dies sind sanfte, wiederholte Techniken, um die Beweglichkeit eingeschränkter Gelenke langsam wiederherzustellen und die Dehnbarkeit von Muskeln und Bindegewebe zu verbessern.
Muskelenergietechniken (MET): Der Patient setzt seine Muskeln gezielt gegen den Widerstand des Therapeuten ein, um Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu erhöhen.
Weichteiltechniken: Dazu gehören Massagen oder Dehnungen, die darauf abzielen, Schmerzen in der Muskulatur und im Bindegewebe zu reduzieren.
Traktion: Durch leichtes Auseinanderziehen von Gelenkflächen (z.B. an der Wirbelsäule) wird der Druck auf Nervenwurzeln und Gelenkstrukturen reduziert, was zur Schmerzlinderung beitragen kann.
Manipulationstechniken (Chirotherapie): Ein schneller, gezielter Impuls an ein blockiertes Gelenk (häufig mit einem ‚Knacken‘ verbunden) mit dem Ziel, die normale Gelenkfunktion sofort wiederherzustellen. Diese Technik wird nur von entsprechend ausgebildeten Ärzten oder Chiropraktikern angewendet.
Instruktion für Eigenübungen: Patienten lernen spezifische Übungen und Haltungsempfehlungen, um den Therapieerfolg zu sichern und zukünftigen Beschwerden vorzubeugen.
Ablauf einer Behandlung
Die Behandlungsdauer liegt oft zwischen 30 und 60 Minuten, wobei der erste Termin meist länger (ca. 45-60 Minuten) für die ausführliche Anamnese angesetzt wird.
Anamnese
Erstgespräch: Wichtige Unterlagen
Beobachtung & Untersuchung
Beobachtung & Untersuchung
Therapieplanung
Therapieplanung
Behandlung
Behandlung
FAQ: Manuelle Medizin / Therapie
1. Was ist Manuelle Medizin / Therapie überhaupt?
Die Manuelle Therapie ist eine spezielle Form der Physiotherapie, bei der Therapeuten nur ihre Hände nutzen, um Probleme am Bewegungsapparat (Gelenke, Muskeln, Nerven) zu erkennen und zu behandeln.
2. Was ist das Ziel der Behandlung?
Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Blockaden zu lösen und die Beweglichkeit von Gelenken und der Wirbelsäule wiederherzustellen oder zu verbessern. Oft geht es darum, die normale Funktion des Körpers wiederherzustellen.
3. Bei welchen Beschwerden hilft Manuelle Therapie typischerweise?
Sie wird häufig eingesetzt bei:
Rücken- und Nackenschmerzen
Gelenkbeschwerden (z.B. Schulter, Knie, Hüfte)
Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule kommen
Bewegungseinschränkungen nach Verletzungen oder Operationen
4. Was macht der Therapeut genau?
Der Therapeut untersucht mit seinen Händen, wo genau die Störung liegt (z.B. eine Blockade oder starke Verspannung). Die Behandlung besteht dann aus verschiedenen Techniken:
Mobilisation: Sanfte, wiederholte Dehnungen, um die Beweglichkeit zu verbessern.
Manipulation: Schnelle, gezielte Impulse (oft mit einem „Knacken“ verbunden), um Blockaden zu lösen.
Weichteiltechniken: Massage und Dehnung von Muskeln und Bindegewebe.
5. Tut Manuelle Therapie weh?
Die Behandlung sollte im Normalfall nicht schmerzhaft sein. Bei der Untersuchung oder wenn eine Blockade gelöst wird, kann es kurz ziepen oder sich ungewohnt anfühlen. Der Therapeut achtet aber immer darauf, im schmerzfreien oder erträglichen Bereich zu arbeiten.
6. Wer darf Manuelle Therapie durchführen?
In Deutschland dürfen nur Physiotherapeuten mit einer speziellen, staatlich anerkannten Zusatzausbildung in Manueller Therapie diese Behandlung durchführen und über die Krankenkasse abrechnen. Ärzte mit einer entsprechenden Weiterbildung führen die Manuelle Medizin/Chirotherapie durch.
7. Brauche ich ein Rezept für die Manuelle Therapie?
Ja. In der Regel benötigen Sie eine ärztliche Verordnung (Rezept) vom Hausarzt oder einem Facharzt (z.B. Orthopäde), damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt. Auf dem Rezept muss oft „Manuelle Therapie“ angekreuzt sein.
8. Wie viele Sitzungen sind nötig?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der Art und Schwere Ihrer Beschwerden ab. Ein Rezept umfasst meist 6 bis 10 Einheiten. Ihr Therapeut wird nach der Untersuchung einen individuellen Behandlungsplan vorschlagen.
9. Gibt es Situationen, in denen Manuelle Therapie nicht gemacht werden darf?
(Kontraindikationen) Ja, es gibt einige Fälle, in denen vorsichtig oder gar nicht behandelt werden darf, z.B. bei:
Akuten Entzündungen oder Fieber
Frischen Knochenbrüchen
Schwerer Osteoporose (Knochenschwund)
Bestimmten schweren Erkrankungen oder Tumoren
Der Therapeut muss dies vor der Behandlung mit Ihnen abklären.
10. Muss ich nach der Behandlung etwas beachten?
Oft wird empfohlen, sich am Behandlungstag etwas zu schonen und keine sehr anstrengenden Aktivitäten zu machen. Ihr Therapeut gibt Ihnen wahrscheinlich auch spezielle Übungen für zu Hause mit, da die Mitarbeit des Patienten sehr wichtig für einen langfristigen Erfolg ist.
Gesundheitstipp
Integrieren Sie kleine Bewegungspausen in Ihren Alltag: kurzes Aufstehen, Dehnen oder bewusstes Lockerungsübungen helfen, die Wirbelsäule und Gelenke zu entlasten. So unterstützen Sie die Wirkung der manuellen Therapie und fördern langfristig Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und Wohlbefinden.

